Archiv für Oktober 2015

Brief von Özkan Güzel vom 25.10.15

Hier mal ungekürzt wieder gegeben:

Hallo,

jetzt schreib ich doch inhaltlich, worum es geht, und obwohl ich es nicht vorhatte, sogar Satz für Satz in 3. Person.

Ich habe den am 26. 9. vor Lichtenberg verlesenen Text vom Hamburger Gefangenennetzwerk am 22. Oktober erhalten. Der Rechtsraub und der Versuch, Gülaferit Ünsal zu unterdrücken, ist Folge dessen, dass sie eine Revolutionärin ist. Dort, wo es dem Imperialismus nicht gelingt, sie aufgrund ihrer Überzeugung und ihrer Ansichten, sie von ihrer revolutionären Lebensweise abzubringen, wendet er derartige Methoden an, um die revolutionären Gefangenen in die Knie zu zwingen. Ohne den gemeinsamen Kampf drinnen und draussen kann man keine Rechte gewinnen.

In den Deutschland werden die politischen Gefangenen in verschiedene Gefängnisse gelegt. Sie werden mit sozialen („Strafgefangenen“) im selben Block gehalten. Die sozialen Gefangenen wehren sich nicht gegen die (rassistischen, unwürdigen, erniedrigenden) Maßnahmen. Würden sich die sozialen Gefangenen gegen die Einheitskleidung wehren, dann könnte die politischen Machthaber diese Maßnahme nicht umsetzen.

Im Gelsenkirchener Gefängnis haben sie im Oktober begonnen, den Einheitskleidungs-Zwang beim Hofgang, der täglich 1 Stunde dauert, anzuwenden. Offen gesagt, ich bin der einzige, der nicht in „Haftkleidung“ in den Hof gehen muss. Wenn sie mir das erneut aufgezwungen hätten, dann hätte ich es abgelehnt und Widerstand geleistet. Auch beim Besuch wird diese Maßnahme ergriffen. Aber ich gehe mit meiner privaten Kleidung zu den Besuchen. Wenn sie mir die Einheitskleidung beim Besuch aufgezwungen hätten, hätte ich es nicht akzeptiert, ich hätte dagegen protestiert.

Widerstand bringt Errungenschaften !

Widerstand vereint !

Widerstand stärkt !

Rassismus wird in den letzten Jahren durch die staatliche Hand organisiert.

Aktivitäten von rassistischen, Nazi-Organisationen wie Pegida werden mit freier Meinungsäußerung und Organisierungsfreiheit assoziiert, aber sie sind nichts als rassistisch und eine Erniedrigung von MigrantInnen.

Lieber .., das ist mein letzter Brief an Dich aus dem Gefängnis, am 17. November werde ich meine Freiheit wiedererlangen. Ich hoffe auf ein Wiedersehen nach dem 17.November.

Lg

Parlamentarier*Innen Besuch

Letzten Freitag, den 16. Oktober 2015 waren die Parlamentarier des Abgeordnetenhauses (AGH) bei Gülaferit Ünsal zu Besuch. Hier ist Ihr BESUCHSBERICHT (zum lesen bitte anklicken).

Hungerstreik ausgesetzt

Gülaferit Ünsal hat am 11.10.2015 ihren Hungerstreik ausgesetzt. Sie will erstmal kucken was sich tut. Weitere Infos folgen.

Bericht von der Kundgebung

Heute um 17 Uhr gab es eine Hungerstreik-Solidaritäts-Kundgebung für Gülaferit Ünsal in der Justizvollzugsanstalt für Frauen in Lichtenberg (JVA).

Es kamen 30 Leute um Ihre Solidarität mit Ihr zu bekunden, einige davon spontan. Das Polizeiaufgebot (u.a. die 23. Ehu) war so martialisch, das einige Leute die zur Kundgebung wollten sich nicht dorthin trauten. Ob das Aufgebot nun angemessen war oder nicht ist eine Frage die ja nun schwerlich analysiert, interpretiert und ausgewertet werden kann. Fakt ist das wegen des Aufgebots mehrere Menschen der Kundgebung fern blieben. Was als Einschüchterungsversuch zu werten ist.

Es gab mehrere Redebeiträge und die Hungerstreikerklärung auf Deutsch und auf Türkisch und andere…

Ausserdem wurden wieder Sprüche gerufen: „Schluß mit der Repression an Gülaferit Ünsal!“, „Gülaferit Ünsal ist unsere Würde!“ (auf türkisch), „Die revolutionären Gefangenen sind unsere Würde!“ (türkisch), „Freiheit für alle politischen Gefangenen!“, „Freiheit für alle revolutionären Gefangenen!“ (türkisch), „Mit Power durch die Mauer – bis Sie bricht!“, „Hoch die internationale Solidarität!“, „Schulter an Schulter gegen Faschismus!“ und viele mehr

Die Stimmung war diesmal nicht so gedrückt wie letztes Mal.

Am Ende versuchte noch jemandes die „Hürriyet“ und die „Özgür Politika“ beim „Empfang“ abzugeben, was die Polizei aber erfolgreich unterbinden konnte.

Gegen 18 Uhr war die Kundgebung dann vorbei.

Der Kampf geht weiter! Die letzte Schlacht gewinnen wir!

Kundgebung am Sonntag

Seit 5.10.2015 befindet sich die Inhaftierte Gülaferit Ünsal im Hungerstreik. Um Ihre Forderung nach Aushändigung der Post und Zeitungen Nachdruck zu verleihen wollen wir Sie mit einer Kundgebung „von Draussen“ unterstützen.

Aufgrund dieser jüngsten Ereignisse wird es am Sonntag den 11.10.2015 um 17 Uhr eine Kundgebung vor der Justizvollzugsanstalt für Frauen (JVA) in Lichtenberg (Alfredstraße 11 in 10365 Berlin, nähe U-Bahnhof Magdalenenstraße) geben.

Heute war jemandes vom Abgeordnetenhaus (AGH) bei Gülaferit zu Besuch. Die Parlamentarische Person gab an, eine türkische Zeitung zur Weitergabe abgegeben zu haben, die Gülaferit – wie schon zwei Wochen zuvor – nicht ausgehändigt wurde.

Über aktuelle Entwicklungen halten wir Euch auf dem Laufenden.